400. Konzert am 15.10.2012 in Berlin: Madsen schrieben Geschichte in der Columbiahalle

“Du bist die Perfektion” grölten die Fans beim Madsen-Konzert am Montag, dem 15.10.2012, in der Columbiahalle in Berlin lauthals mit, und perfekt trifft es wirklich: Von der Vorband Blackmail bis zur Zugabe war dieser Auftritt makellos, besser als gut, einfach groß!

“Madsen, 15.10., 19:30″ stand in großen Lettern auf der Leuchttafel über dem Eingang. Es war das erste Madsen-Konzert in der Columbiahalle, das 22. Berlin-Konzert der Band und das 400. Konzert ihrer Bandgeschichte – ja, Geschichte schrieben Madsen auch an diesem Abend wieder! Nicht ganz ausverkauft, aber gut gefüllt präsentierte sich der Konzertsaal am vergangenen Montag. Das Publikum musste sich zunächst bis 20:20 Uhr in Geduld üben, doch das Warten wurde belohnt: Als Blackmail mit ihrem Klassiker “It Could Be Yours” die Bühne betraten, kam direkt gute Stimmung auf. Wer die Madsen-Vorband anfangs musikalisch noch Placebo zuordnete, wurde spätestens nach “Monographic Doll” und “Evon” eines Besseren belehrt: “Away With The Fairies” aus ihrem 2006er-Longplayer “Aerial View” klingt eher so, wie wenn Korn versuchen, Audioslave zu covern. Die Brüder Kurt und Carlos Ebelhäuser an Gitarre und Bass verstärkten diesen Eindruck durch ihren 90ies-Metal-Style noch umso mehr; und als man schon dachte, es kann nicht mehr besser werden, spielten die vier plötzlich ihre Ohrwurm-Single “Same Sane”. Danach erklärte Blackmail-Sänger Mathias Reetz dem enthusiastischen Publikum, warum sie an diesem Tag nur zu viert auf der Bühne standen, denn normalerweise werden sie sowohl live als auch im Studio von ihrem Freund Simon unterstützt – doch dem wurde kurz zuvor sein komplettes Equipment geklaut. Noch ein Grund mehr, sich darüber zu freuen, dass Blackmail trotz des großen materiellen Verlustes in der Columbiahalle auftraten und alles gaben – erst recht bei “Day By Day”, das sie Simon widmeten. Zum Ende hin wurde es dann noch mal richtig sphärisch: Mit einer sensationellen Instrumentaleinlage leiteten Blackmail zu “Friend” und “Foe”, beide aus ihrem 2003er-Album “Friend or Foe?”, über und gaben schließlich die Bühne für Madsen frei – nicht jedoch, ohne die anwesenden Zuhörer schon mal auf das im kommenden Frühjahr erscheinende neue Blackmail-Album und ihre ab März anstehende Tour hinzuweisen. Eine wahrhaft würdige Vorband für das kurz darauffolgende 400. Madsen-Konzert!

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Kurz nach halb zehn verdunkelte sich die Bühne, und es erklangen plötzlich klassische Violinenklänge, die schließlich von flinken Gitarrenriffs verdrängt wurden. Der Moment, “wo es beginnt”, war angebrochen: Das erste Madsen-Konzert in der Columbiahalle nahm seinen Lauf. Die Band um Sänger Sebastian Madsen gab von Anfang an alles. Selbst Gitarrist Johannes Madsen, welcher, wie die Fans erst später erfuhren, die Grippe hatte, schlug sich tapfer bis zum Ende.

Nach ihrem Klassiker “Panik” machte die Band dann erst einmal ihrer Begeisterung für die Columbiahalle Luft: “Ich hab hier The Strokes gesehen, ich hab hier Refused gesehen”, erzählte Sebastian Madsen aufgeregt, und dann tönte aus Richtung des Schlagzeugs plötzlich ein ohrenbetäubendes “Slayeeeeer!” aus dem Mund von Sascha Madsen, woraufhin Sebastian lachend ergänzte: “Ich hab hier mit Sascha Slayer gesehen”, und nachdem er aufgezählt hatte, wo Madsen in Berlin vorher schon überall aufgetreten waren, fügte er augenzwinkernd hinzu: “Gestern habe ich mein erstes graues Haar im Spiegel gesehen, und ich dachte mir, du bist bereit für die Columbiahalle.”

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Nach dieser Ansage ging’s zunächst “mit dem Moped nach Madrid”, und anschließend gewährten Madsen mit “Mein Therapeut und ich” Einblicke in ihr Seelenleben. Die Fans sangen, hüpften und sprangen und beantworteten Sebastians “obligatorische Rockstarfrage” (“Geht’s euch gut?”) mit einem eindeutigen Ja! Sebastians Ankündigung des nächsten Songs hingegen (“Kennt ihr den hier?”) wurde von einem Fan aus dem Publikum mit einem lautstarken Nein beantwortet, woraufhin sich der Madsen-Sänger direkt an den Zwischenrufer wandte und ihn nach seinem Namen fragte, welchen er ihm bereitwillig nannte. “Martin, ich hab dich im Auge!”, warnte Sebastian ihn dann, “aber cooles Shirt, Martin, du Blödmann!” Und dann setzte er zum zweiten Mal mit kraftvoller Stimme an: “Vielleicht ist das der Anfang…”

Nach dem rockigen “Vielleicht” und dem Mega-Hit “Goodbye Logik” kündigte Sebastian schließlich ein Duett an: “Wir haben eine waschechte Berlinerin hier […] und von dieser Berlinerin gibt’s jetzt ‘n fettes Feature!” Als die Ur-Berlinerin Lisa Who, welche vorher hinterm Keyboard gestanden hatte, dann nach vorn ans Mikro trat, ertönten sogleich lautstarke Lisa-Sprechchöre. Die Rührung stand Lisa Who, welche mit bürgerlichem Namen Lisa Nicklisch heißt, ins Gesicht geschrieben; schließlich war an diesem Abend auch ihre Familie anwesend. Zusammen sangen Sebastian und sie dann das ruhige “So cool bist du nicht” vom aktuellen Madsen-Album “Wo es beginnt”.

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Danach forderte Sebastian die anwesenden Konzertgäste zum Tanzen auf, und das taten sie auch – zu “Mein Herz bleibt hier” und “Perfektion”, welches Madsen aber mittendrin unterbrachen, um eine Coverversion von Alex Clares “Too Close” darzubieten. Nachdem sie dann aber auch noch den Rest von “Perfektion” gespielt hatten, ergriff Madsen-Bassist Niko Maurer alias “Sex Machine” das Wort: “Ihr seid so laut – das hatten wir selten auf dieser Tour!” Und danach kündigte er auch schon das nächste Lied an: “Das da drüben ist Johannes Madsen. Johannes Madsen hat die Grippe und wird das nächste Lied singen.” Johannes Madsen ist, wie man sodann erfuhr, “kein Mann für eine Nacht”.

Auf die sanften Akustikgitarrenklänge folgten schließlich wieder harte Gitarrenriffs: “Alarm im Paradies, alles geht schief”, sangen Madsen energiegeladen und setzten danach mit “Love Is A Killer”, welches teils auf Deutsch und teils auf Englisch gesungen wird, rhythmischere Akzente. Als akustische Einleitung des nächsten Madsen-Krachers “Nitro” diente passenderweise die berühmte Szene des Filmklassikers “Taxi Driver”, in der Robert de Niro mit seinem Spiegelbild spricht. Ein grandioses Metal-Zwischenstück leitete schließlich zum nächsten Song über, welcher thematisch gewissermaßen für die Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts sorgte: “Frieden im Krieg” vom gleichnamigen Album brachte die Menge für einen kurzen Moment zur Besinnung, bevor Madsen ihren letzten Song mit einem Zitat der Beatsteaks ankündigten: “Wie hieß es einst bei einer großartigen Berliner Band, beim Bonustrack war’s glaub ich: ‘Die kluge Band von heut denkt mit und spielt erst ganz zum Schluss den Hit’.” Doch bevor Madsen ihre aktuelle Single anstimmten, erkundigte sich Sebastian noch einmal bei seinem Lieblingszwischenrufer, ob er noch am Start sei. “Hey Martin, soll’n wir mal die Musik anlassen?”

Ja, sie sollten! Und “Lass die Musik an” sollte auch nicht der letzte Madsen-Hit an diesem Abend sein, denn mit “Du schreibst Geschichte” folgte bei der Zugabe noch ein weiterer Klassiker der Bandgeschichte. Danach gaben Madsen mit “Baut wieder auf, was euch aufbaut” eine madsentypisch optimistische Hommage an Rio Reisers “Macht kaputt, was euch kaputt macht” zum Besten und ließen es sich im Anschluss auch nicht nehmen, aus Anlass des 400. Live-Jubiläums den Wunsch zu äußern, das tausendste Madsen-Konzert ebenfalls mit den an diesem Abend in der Columbiahlle anwesenden Zuschauern zu feiern.

Die rhetorische Schlussfrage “Hättest du nicht Lust, mit mir den Abend zu verbring’n?” und der dazugehörige Rausschmeißer “Nachtbaden” brachten den Konzertsaal am Ende noch einmal richtig zum Kochen. Doch statt das sympathische Anti-Party-Lied einfach nur herunterzuschrammeln, stellte Sebastian Madsen dem Publikum in der Mitte des Songs noch eine letzte Aufgabe: Alle Fans sollten sich auf den Boden setzen, was sie – bis auf die geladenen Gäste, die dafür auch prompt gedisst wurden – auch brav taten. Doch bevor sie wieder aufspringen durften und Sebastian Madsen das Lied zu Ende singen und sich schlussendlich crowdsurfenderweise ins Publikum werfen konnte, stellte er noch “die entscheidende Frage zum Schluss: Dürfen wir wiederkommen?” Und wie sie dürfen! Denn keine andere Band versteht es, ihre Zuschauer so gut zu unterhalten und ihnen kontinuierlich das Wahnsinnsgefühl zu geben, einen Abend mit Freunden zu verbringen und nicht nur bei der Show, sondern Teil der Show zu sein.

Ein Gedanke zu “400. Konzert am 15.10.2012 in Berlin: Madsen schrieben Geschichte in der Columbiahalle

  1. Sie ist eines der wenigen aktuellen Bands, die man sich anhören kann.
    Madsen haben einen guten eingängigen Beat, seriöse Texte, und einen mitreißenden Sound.

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