Extrem explosiv: Thomas Azier am 31.08.2013 beim Torstraßen Festival in Berlin

Eigentlich wurde Thomas Azier im White Trash, wo er am vergangenen Samstag, dem 31. August 2013, im Rahmen des Torstraßenfestivals auftrat, als Geheimtipp gehandelt. Doch tatsächlich waren zum Konzert in Berlin sogar Fans aus Weißrussland angereist, um den gebürtigen Niederländer eine knappe Stunde im Keller des White Trashs live erleben zu dürfen.

Plakat vom Torstraßen Festival Berlin © berlinfische.org

Plakat vom Torstraßen Festival Berlin © berlinfische.org

Man könnte sagen: Zu Recht! Denn was dieser Typ mit der schwarzen Lederjacke, der geradewegs einer Folge von “21 Jump Street” oder “Knight Rider” entsprungen zu sein scheint, da auf der Bühne zusammen mit seiner Band produziert, sind nicht nur irre Sounds, sondern auch eine extrem explosive und einmalige Show!

Für die großen Gesten des Thomas Aziers ist die Bühne im White Trash eigentlich viel zu klein: Dieser Mann braucht Platz – nicht nur für die vielen elektronischen Spielzeuge mit ihren bunt blinkenden Knöpfen und Schiebern, die die mitreißende Mischung aus 80er Jahre Synthie-Hymnen und verspieltem Dance-House-Techno-Nennen-Sie-es-wie-Sie-wollen erst möglich machen, sondern auch für seine dramatischen Moves.

Richard Alexander (Thomas Azier Band) © berlinfische.org

Richard Alexander (Thomas Azier Band) © berlinfische.org

„Dramatisch“ trifft die Atmosphäre eines Thomas-Azier-Konzerts überhaupt recht gut. Da wird der Mikrofonständer durch die Luft gewirbelt, das Publikum mit durchdringendem Blick fixiert, dann wieder wie wild auf die Tasten eingehämmert, und es werden pathetisch die Arme emporgerissen. So kennt man es schon von seinen vorangegangenen Auftritten und wird musikalisch dennoch wieder überrascht, denn live klingen Thomas Aziers Songs jedes Mal ein bisschen anders als auf den schon veröffentlichten EPs Hylas 001 und 002¹.

So wirkt die aktuelle Liveversion von „Metropolitan Tribe“ wesentlich rauer und rockiger als noch vor einem Jahr, und auch die neueste Thomas-Azier-Single „Ghost City“¹ hat auf der Bühne wesentlich mehr Power als in der gepressten Version. Ganz am Ende wird das Konzert sogar richtig techno-krachermäßig.

Robin Hunt (Thomas Azier Band) - zu schnell für die Kamera ;o) © berlinfische.org

Robin Hunt (Thomas Azier Band) – zu schnell für die Kamera ;o) © berlinfische.org

Der Mann der großen, dramatischen Gesten kann aber auch anders: Das sanfte „Angelene“ widmet Thomas Azier seinen anwesenden Freunden und taucht das White Trash für einige Minuten in eine fast schon melancholisch-friedvolle Stimmung. Außerdem überrascht er die ausgeflippten, immer wieder „I love you“ rufenden Fans, welche jeden seiner veröffentlichten Songs auswendig zu kennen scheinen, auch mit ein paar neuen Stücken, welche sein um den Jahreswechsel erscheinendes Debütalbum schmücken werden, bei dem – so verrät Thomas nach der Show – Bandmitglied Robin Hunt zusätzlich auch als Producer tätig ist.

Alles in allem ist dies eins der wenigen Konzerte unserer Zeit, welche durchweg spannungsgeladen sind und Lust auf mehr machen. Mehr wird es von Thomas Azier auch geben – neben dem bevorstehenden Albumrelease spielt die Band, die bisher nur auf Festivals oder im Vorprogramm der französischen Indie-Rockband Woodkid aufgetreten ist, diesen Monat ihr erstes Konzert als Headliner, und zwar in Paris.² 120 Tickets sind laut Angaben von Bandmitglied Richard Alexander bereits für die Show verkauft; es sollte also niemanden verwundern, wenn Thomas Aziers erstes eigenes Konzert in der Stadt der Liebe ausverkauft sein wird. Die Franzosen haben eben Geschmack, nicht nur beim Essen.

Thomas Azier im White Trash © berlinfische.org

Thomas Azier im White Trash © berlinfische.org

Bleibt zu hoffen, dass der musikalische „bon goût“ unserer westlichen Nachbarn auch bald nach Deutschland überschwappt, damit Thomas Azier die kleinen Bühnen im Frannz Club, Comet oder White Trash endlich hinter sich lassen und Hallen oder Stadien füllen kann – denn da gehören seine Songs hin! Depeche Mode waren gestern, morgen ist Thomas Azier.

Quellen:
1) http://thomasazier.com/#releases
2) http://thomasazier.com/#tour

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