Mall Of Shame: Demo gegen Ausbeutung rumänischer Mall-of-Berlin-Arbeiter am 6.12.2014

Flugblatt der FAU

Flugblatt der FAU

Die neu eröffnete Mall of Berlin am Leipziger Platz 12 – auch LP12 genannt – ist nicht nur ein weiteres, völlig überflüssiges Einkaufszentrum, nein, sie ist auch ein trauriges Aushängeschild für Migrantenausbeutung. Das machte jetzt die Freie ArbeiterInnen Union Berlin (FAU) bekannt.

Auf einem Flugblatt der Gewerkschaft werden rumänische Arbeiter, die für fünf bis sechs Euro Stundenlohn zehn Stunden am Tag am Bau der Mall of Berlin mitwirkten¹, zitiert, welche schwere Vorwürfe gegen den Bauherren des Shoppingcenters, die Fettchenhauer Controlling & Logistic GmbH, sowie die für Fettchenhauer arbeitenden Subunternehmen Metatec-Fundus GmbH & Co. KG und openmallmaster GmbH erheben. Ebenjene Subunternehmen sollen Arbeiter aus Rumänien, die kaum Deutsch sprechen, konsequent ausgebeutet haben. Nicht nur, dass sie sie um einen Teil des vereinbarten Lohns prellten, nein, sie verweigerten den Arbeitern auch schriftliche Arbeitsverträge, drohten ihnen Gewalt an und beschäftigten sie unter sklavereiähnlichen Zuständen: So zwangen sie sie beispielsweise, zu 14., 15. oder 16. in einer Zweizimmerwohnung zu übernachten, für die die Arbeiter eine Wuchermiete von insgesamt 1.800 Euro pro Monat zahlen sollten, und deren Dusche nur 20 Minuten am Tag funktionierte. Bevor sie diese Wohnung beziehen konnten, mussten einige von ihnen aber sogar auf der Straße schlafen, weil ihnen keine oder völlig unzureichende Unterkünfte gestellt wurden. Außerdem sollten die Bauarbeiter weitere Wucherbeträge zwischen 100 und 150 Euro bezahlen, nur um sich beim Berliner Bürgeramt anmelden zu können. Dabei machten sich die Subunternehmer vor allem die kaum vorhandenen Deutschkenntnisse der Rumänen zunutze.²

In der letzten Novemberwoche verteilte die FAU bereits über 10.000 Flugblätter in Berlin, um Passanten über das Schicksal der rumänischen Bauarbeiter zu informieren. Außerdem gab es auch Proteste vor den Büros des Bauherrn Andreas Fettchenhauer und Investors Harald Huth, denn auch ihn macht die FAU für die systematische Ausbeutung der Migranten verantwortlich: Sie wirft ihm vor, Fettchenhauer zu Beginn des Baus keiner kritischen Prüfung unterzogen zu haben, obwohl damals bereits bekannt war, dass Fettchenhauer vorher Geschäftsführer der Beton-System-Schalungsbau (BSS) GmbH gewesen ist, gegen die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren wegen Schwarzarbeit ermittelt worden war.³

Nun geht die FAU noch einen Schritt weiter und hat für diesen Samstag, den 6. Dezember 2014, eine Demonstration am Leipziger Platz 12 angekündigt. Beginn der Protestveranstaltung ist 14 Uhr.4 Wer an diesem Tag in Berlin ist, sollte das Adventsshopping lieber bleiben lassen und sich stattdessen aktiv für die Rechte der unbezahlten Arbeiter einsetzen.

Wer nicht in Berlin ist, kann zumindest die Online-Petition auf change.org unterzeichen: Unter diesem Link kann man den Appell an die Fettchenhauer Controlling & Logistic GmbH unterschreiben, den rumänischen Arbeitern endlich den ihnen zustehenden Lohn auszuzahlen:
https://www.change.org/p/fettchenhauer-controlling-logistic-gmbh-mall-of-berlin-bezahlt-eure-besch%C3%A4ftigten5

Und wer das Shopping doch nicht sein lassen kann, der sollte sich zumindest vom LP12 fernhalten, denn wie überflüssig dieses Einkaufszentrum ist, kann jeder ganz leicht selbst nachprüfen: Von 260 auf der Mall-of-Berlin-Webseite aufgeführten Geschäften sind nur etwa 10 absolut “einzigartig”, die meisten davon sind jedoch Gastronomiebetriebe. Des Weiteren beherbergt das Shoppingcenter ca. 30 Geschäfte von Ketten, die in der Mall of Berlin ihre erste Berliner Filiale eröffnet haben, deren Produkte aber auch in Geschäften anderer Ketten in Berlin käuflich sind; und die übrigen knapp 220 Shops sind solche von Ketten, die bereits an anderer Stelle in Berlin eine oder sogar mehrere Geschäfte besitzen.6 Vielfalt sieht anders aus.

Quellen:
1) https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-bezahlt-die-arbeiter-gegen-die-ausbeutung-migrantischer-arbeiterinnen
2) Flugblatt der FAU Berlin
3) https://berlin.fau.org/presse/pressemitteilungen/mall-of-shame-wo-ist-das-geld-der-arbeiter
4) https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-bezahlt-die-arbeiter-gegen-die-ausbeutung-migrantischer-arbeiterinnen
5) https://www.change.org/p/fettchenhauer-controlling-logistic-gmbh-mall-of-berlin-bezahlt-eure-besch%C3%A4ftigten
6) http://www.mallofberlin.de/stores/alleshops

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