Mutti-unfreundliches Berlin: Junge Eltern brauchen keine Blumen, sondern…

Der Muttertag steht wieder einmal vor der Tür, und auch in Berlin bereiten sich Blumengeschäfte und Supermärkte darauf vor, indem sie ihre Vorräte an bunten Sträußen sowie Pralinen aufstocken. Doch was brauchen junge Berliner Mütter (und Väter) wirklich? Viel sinnvoller als Blumen und Schokolade wären doch…

…mehr Fahrstühle in U- und S-Bahnhöfen:
Auch Fahrrad- und Rollstuhlfahrer können davon ein Lied singen: Es gibt zu wenige Fahrstühle an Berliner U- und S-Bahnhöfen. Um mit einem Kinderwagen, Fahrrad oder Rollstuhl die öffentlichen Verkehrsmittel effizient nutzen zu können, sollte es möglich sein, den Bahnsteig ähnlich schnell zu erreichen wie ein Fußgänger. Aber Pustekuchen! Wer schon einmal probiert hat, am Kottbusser Tor vom Bahnsteig der U8 oder U1 zum Ausgang zu gelangen, weiß, dass das selbst zu Zeiten abseits des Berufsverkehrs manchmal locker eine Viertelstunde dauern kann. Der Grund: Ein einziger Fahrstuhl bedient vier Etagen. So passiert es nicht selten, dass eine Mutter mit Kinderwagen – beispielsweise am Gleis der U8 wartend – es erst beim dritten Halt des Fahrstuhls tatsächlich schafft, diesen zu betreten; zum einen, weil vor ihr noch andere Mütter warten, zum anderen, weil der Fahrstuhl manchmal bereits voll ankommt und auch voll wieder abfährt. Denn wer eine Etage darüber einsteigt und eigentlich nach oben möchte, lässt die Chance, den Fahrstuhl zu betreten, auch wenn dieser zunächst nach unten fährt, sicher nicht verstreichen. Ein bis zwei weitere Fahrstühle würden dieses Problem lösen und Berliner Muttis den Stress eines weinenden Babys im Kinderwagen ersparen.

Doch auch zu viele Fahrstühle können ein Problem sein: Wer schon einmal probiert hat, am Hermannplatz von der U8 in die U7 umzusteigen oder andersherum, braucht viel Zeit und Geduld: Ganze drei Fahrstühle soll eine Mutter mit Kinderwagen hierfür benutzen, und zwischen dem ersten und zweiten Fahrstuhl muss sie zusätzlich noch eine Ampel überqueren. Wo ein Fußgänger in nicht mal einer Minute vom Gleis der U8 zum Gleis der U7 gelaufen ist, braucht Mama mit ihrem Baby nicht selten zwanzig Minuten – und das, obwohl die Bahnsteige von U7 und U8 genau über- bzw. untereinander liegen und der an der U8 liegende Fahrstuhl einfach nur nach unten ausgebaut werden müsste.

Wenn sich dann zusätzlich gewisse Großfamilien dazu durchringen könnten, sich kurzzeitig zu trennen, so dass Mutti mit Kind und Wagen den Fahrstuhl allein benutzt, während der Rest der Familie die Treppen nimmt und damit anderen wartenden Müttern nicht den knappen Platz im Fahrstuhl wegnimmt, wäre Berlin wieder ein Stückchen lebenswerter.

…ein Stempelautomat am Fahrstuhl:

Zusätzlich wäre natürlich auch ein Entwertungsautomat direkt am Fahrstuhl eine prima Sache. Dann müssten Muttis nicht erst mit dem Kinderwagen ans andere Ende des Bahnsteigs laufen, um ihren Fahrschein stempeln zu können.

…ein Sitzplatz im Bus:

Für mehr Stempelautomaten und besser funktionierende Fahrstühle müssen BVG und S-Bahn sorgen, doch eins können die Berliner selbst, und zwar jeder einzelne von ihnen: Schwangeren sowie Müttern mit Kindern einen Sitzplatz anbieten. Was in anderen deutschen Städten wie Köln oder Leipzig eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt in Berlin leider eine Ausnahme: Statt ihren Sitzplatz in Bus oder Bahn höflich zu räumen, verlassen Berliner ihn selbst nach Aufforderung oft nur mit Murren. Bekommt man dann doch mal freiwillig einen Sitzplatz – womöglich sogar mit einem Lächeln – angeboten, so kann man sich sicher sein, dass der Freiwillige ein Tourist oder ein Berliner mit Migrationshintergrund war. Ja, ganz richtig: Oft sind es gerade unsere Mitmenschen aus anderen Kulturkreisen, die deutlich mehr Anstand besitzen als wir sonst so “gesitteten” Deutschen.

Noch weniger Verständnis haben Berliner, wenn man sie in der U- oder S-Bahn darum bittet, sich von ihrem Klappsitz zu erheben. Obwohl am Fenster darüber eindeutige Aufkleber darüber aufklären, dass jene Bereiche für Kinderwagen und Fahrräder reserviert sind und die Sitze bei Bedarf eingeklappt werden können, reagieren die “Vertriebenen” oft mit Unmut.

Woran das liegt? Vermutlich an der berühmten Berliner Unfreundlichkeit, die wohl leider daher rührt, dass hier – noch viel mehr als in anderen Großstädten – jeder nur an sich selbst denkt. Ein gesunder Egoismus – keine Frage – hat noch niemandem geschadet, aber alten Menschen, Schwangeren oder Müttern (genauso wie natürlich Vätern) mit Kind einen Sitzplatz anzubieten, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Vielleicht schaffen die Berliner das ja wenigstens am Muttertag einmal…

Kommentar verfassen